AG Fit für Gleichberechtigung
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Tätigkeitsberichte


Tätigkeitsbericht für die Jahre 2002/2003


Wir setzen uns seit längerem dafür ein, dass das “Soziale Lernen” in der Schule mehr an Bedeutung gewinnt, als dies bisher der Fall ist. Die Schule muss die Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen und Jungen unterstützen und die Geschlechter zur kritischen Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Zuweisungen befähigen. Dies muss in kontinuierlicher Verbindung mit dem gesamten Unterricht geschehen und darüber hinaus in eigens dafür vorgesehenen Stunden. Das verwirklichen wir selbst in den Klassen, in denen wir tätig sind, und darüber hinaus informieren wir auf unseren Fortbildungen und diversen anderen Veranstaltungen über unsere Zielsetzungen. Dazu haben wir in der AG den Flyer “Soziales Lernen in Mädchen und Jungenstunden” erarbeitet.


Wir haben uns darum gekümmert, dass die Bekanntheit des “girls-day” in Berlin steigt. So weit als möglich haben wir uns auch daran beteiligt. Wir halten es für dringend notwendig, dass ein Angebot für Jungen entwickelt wird, durch das das Interesse der Jungen an sozial - erzieherisch - pflegerischen Berufen geweckt wird.


Wir setzen uns ein für die Idee des “Interessengeleiteten Lernens als Lernchance für Mädchen und Jungen”.


Ein besonders geeignetes Beispiel für “interessengeleitetes Lernen” findet sich in der Veröffentlichung von Sigrun Richter “Interessenbezogenes Rechtschreiblernen” (Braunschweig 2002). Frau Richter stellt zunächst die wissenschaftlich ermittelten Unterschiede bzgl. der Rechtschreibfähigkeiten von Mädchen und Jungen dar. Dabei schneiden die Jungen bezogen auf das “traditionelle” schulische Lernen insgesamt im Lesen und Schreiben schlechter ab als die Mädchen (s. dazu auch S. Richter: Unterschiede in den Schulleistungen von Mädchen und Jungen, S. 1996). Untersuchungen belegen allerdings auch, dass Jungen den Mädchen in diesen Kulturtechniken nicht generell unterlegen sind, sondern zu ebenso guten Ergebnissen gelangen, wenn ein Zusammenhang zwischen Lernen und ihren Interessen vorhanden ist.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wird in der Veröffentlichung von S. Richter eine Fülle unmittelbar in der Praxis umzusetzender Anregungen geboten, in deren Mittelpunkt der Aufbau einer individuellen Rechtschreibkartei steht, die an den individuell unterschiedlichen, immer auch geschlechtsspezifischen Zuweisungen unterliegenden Interessen der Kinder anknüpft.


Die grundsätzlichen Überlegungen zum “interessenbezogenen” Rechtschreiben gelten auch für ein “interessengeleitetes” Lesen bzw. Lernen insgesamt. So zeigen Jungen zwar (und das ist nicht erst seit PISA bekannt) ein nicht so großes Interesse am Lesen wie Mädchen, dies trifft aber vor allem dann zu, wenn es sich um Leseangebote aus dem Bereich der Literatur handelt. Durch Sachtexte und -bücher sowie diskontinuierliche Texte lassen sie sich sehr wohl zum Lesen motivieren. Die Kinder sollten demnach aus einer möglichst breiten Palette an Leseangeboten selbst auswählen dürfen.


Die Schule holt Mädchen und Jungen durch das “interessengeleitete” Lernen dort ab, wo sie stehen. Dies darf allerdings nicht dazu führen, dass die Entwicklung “traditioneller” Geschlechterrollen unterstützt wird bzw. sich verfestigt. Deshalb muss die Schule zur schrittweisen Loslösung von geschlechtsspezifischen Zuweisungen beitragen. Mädchen und Jungen müssen in der Lage sind, sich unabhängig von geschlechtsspezifischen Zuweisungen für einen Lesetext, ob nun literarisch oder fachlich, entscheiden zu können. Die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Zuweisungen ist in aller erster Linie eine Frage persönlicher und sozialer Kompetenzen, so dass hier meine Ausführungen zur Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen und Jungen zum Tragen kommen.


Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die Qualitätsmerkmale zur Gestaltung des Unterrichts in den neuen Rahmenlehrplänen (s. dazu 1.4. Rahmenlehrpläne für Berlin, BB und M-V), den ihre Umsetzung ermöglicht individuelles, interessenbezogenes Lernen, d.h. das Lernen knüpft an den individuell unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und -bedürfnissen der einzelnen Kinder an. Ein derartiges Lernen holt jedes Kind dort ab, wo es steht, und kann dadurch auch Entwicklungselemente berücksichtigen, die mit Geschlechterzuweisungen in Verbindung stehen.



PISA – Lesekompetenz von Mädchen und Jungen

“Interessengeleitetes Lesen” ist u.a. auch eine unserer Antworten auf die Ergebnisse der PISA-Studie, deren Erkenntnisse allerdings in keiner Weise neu sind. In ihrer Veröffentlichung “Unterschiede in den Schulleistungen von Mädchen und Jungen” hat u.a. Sigrun Richter bereits 1996 ausführlich beschrieben, dass die Jungen in den Kulturtechnikbereich “Lesen und Schreiben” schlechter abschneiden als die Mädchen. Bisher faden diese Ergebnisse einiger feministischer Forscherinnen nur wenig Beachtung. Seit allerdings durch PISA das Ansehen Deutschlands in der Weltöffentlichkeit beschädigt wurde, ließen sich die schwächeren Leseleistungen der Jungen nicht mehr übersehen und rückten verstärkt ins öffentliche Interesse.


In der AG-Fit waren die Gründe dafür immer wieder Diskussionsthema. Wir schließen uns S. Richter und anderen an. Danach sind in unserer Kultur Lesen und Schreiben “Frauensache” und deshalb für Jungen eine Sache minderer Wichtigkeit. Sollen hier Veränderungen erreicht werden, bieten sich zum einen die Vorschläge zum “Interessengeleiteten Schreiben und Lesen” an und zum anderen die Förderung und Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen und Jungen in kritischer Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Zuweisungen, so wie wir das u.a. beim sozialen Lernen in Mädchen- und Jungenstunden umgesetzt haben.


Insgesamt gehen wir davon aus, dass die Angebote unterschiedlicher Einrichtungen zur Jungenarbeit genutzt und ausgebaut werden müssen, denn durch PISA ist endlich auch der “Förder-Bedarf” der Jungen erkannt worden. Die Bearbeitung des Problems liegt allerdings nicht darin, aus von “Mädchen eingeschüchterten Jungen wieder richtige Männer zu machen”, sondern die Jungen endlich von der Last der ihnen zugedachten Geschlechterzuweisungen zu befreien. Die Ideale von männlicher Macht und Überlegenheit waren schon immer nicht nur eine Bedrohung für Frauen, sondern ebenso eine für die Männer selbst, zumindest für einen großen Teil von ihnen. Die höhere Bewertung der Männern zugeschriebenen Verhaltensnormen muss endlich aufgegeben werden. Sie müssen gesehen werden als das was sie sind, nämlich Fußfesseln für uns alle, sowohl für die Frauen als auch für die Männer. Dann würde es Jungen und Männer leichter fallen, sich von ihnen zu befreien und wir wären der Verwirklichung der Chancengleichheit ein Schrittchen näher.



Ausführlich haben wir uns auch mit den neuen Rahmenlehrplänen für die Grundschule auseinandergesetzt und eine Stellungnahme dazu erarbeitet.


Wir haben uns mit dem neuen Schulgesetz auseinandergesetzt und freuen uns darüber, dass einige Anmerkungen zum Thema “Bewusste Koedukation” darin enthalten sind. Wir vertreten allerdings weiterhin die Meinung, dass die Formulierung aus dem hessischen Schulgesetz, 1. Teil, §3, Abs. 11 übernommen werden sollte: ”Die Schule trägt in Zusammenarbeit mit den anderen Stellen zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf Berufswahl und Berufsausübung sowie auf die Arbeit in der Familie und in anderen sozialen Zusammenhängen bei.” Hier erfolgt die dringend notwendige Aufwertung der Familienarbeit und der sozialen Arbeiten.



Tätigkeitsbericht für das Jahr 2001


von: Margot Wichniarz


  1. In den Schulgesetzentwurf wurde in Teil 1 § 4 (8) die Möglichkeit zur Erziehung und zum Unterricht in geschlechtsgetrennten Gruppen aufgenommen “sofern es pädagogisch sinnvoll ist und einer zielgerichteten Förderung dient”. Wir halten es für möglich, dass u.a. auch unser Brief zum Schulgesetz dazu beigetragen hat, dass das Schulgesetz im genannten Sinne eine Erweiterung gefunden hat.

  2. Die in 1. zitierte Formulierung aus dem Schulgesetz haben wir begrüßt, halten sie aber immer noch nicht für weitreichend genug. Deshalb haben wir uns erneut mit einem Schreiben an Herrn Stryck gewendet. Wir halten es für sinnvoll die Formulierung aus dem hessischen Schulgesetz, 1. Teil, §3, Abs. 11 zu übernehmen:” Die Schule trägt in Zusammenarbeit mit den anderen Stellen zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf Berufswahl und Berufsausübung sowie auf die Arbeit in der Familie und in anderen sozialen Zusammenhängen bei.” Hier erfolgt die dringend notwendige Aufwertung der Familienarbeit und der sozialen Arbeiten.

  3. Schulversuch “Soziales Lernen” wurde abgelehnt. Dr. Helga Moericke und Margot Wichniarz haben im 2. Halbjahr 2001 drei Fortbildungstermine zum sozialen Lernen in Mädchen- und Jungenstunden angeboten, an denen vor allem Reinickendorfer Kolleginnen und ein Kollege teilgenommen haben. Das Seminarangebot wird auf Wunsch der Teilnehmenden in 2002 fortgesetzt. Kontakt unter (0 30) 4 62 15 48.

  4. Es ist gelungen eine Veranstaltung zum “Sozialen Lernen in Mädchen- und Jungenstunden” im schulpraktischen Seminar Steglitz durchzuführen. Bei den LehramtsanwärterInnen stieß das Thema allerdings zum Teil auf Unverständnis und Widerstand. Es scheint sinnvoller zu sein in schulpraktischen Seminaren zunächst einmal zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen geschlechtsspezifischen Sozialisation beizutragen.

  5. Wir haben einen Flyer entworfen. Auszüge davon, werden nach der Überarbeitung auch ins Internet gestellt.

  6. Als neue Mitstreiterin für die AG Fit konnte Marion Wölki gewonnen werden.

  7. Wir haben mit der Kampagne “Gemeinsam gegen Männergewalt” Kontakt aufgenommen mit dem Ziel unsere Ideen zum sozialen Lernen in Mädchen- und Jungenstunden über die Kampagne einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

  8. Den girls-day werden wir so gut als möglich unterstützen.

Wir haben uns in den Sitzungen gegenseitige Anregungen, Stärkung und Ermutigung geben können, was für uns alle besonders wichtig war.

Entstehung

Themengebiete

Flyerausschnitte

Kontaktfrauen








































































































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